Auf dem Weg zu mehr Geld-Verantwortung

Über Bio-Obst und Fairtrade-Schokolade muss ich in diesem Blog vielleicht nicht mehr viele Worte verlieren. Ich liebe Fairtrade-Schokolade und kann sie so viel mehr als “normale” genießen! Diese “Liebe” kommt zustande durch Wissen, dadurch dass ich Reportagen gesehen habe und ernsthafte und bewegende Artikel las. Und dadurch dass ich Vertrauen habe. Diese Liebe ist ein wichtiger ideeller Bestandteil meiner Zufriedenheit als bewusster Kunde.
Verantwortungsvoll vorsorgen
Diese Liebe fühlen vielleicht auch Kunden, die als Geschäftsinhaber ihre Umsätze auf ein Konto der Ethikbank einzahlen, oder Menschen, die ihr Erspartes in einen von vielen Bürgern gemeinschaftlich betriebenen Solarpark investieren.
Ich will Ihnen in den verbleibenden Absätzen von ethisch-ökologischen Altersvorsorgen berichten und will versuchen, dass Sie die Idee liebgewinnen können.
Wenn wir endlich jeden Monat so viel Geld haben, dass wir neben all den schönen und den lebensnotwendigen Dingen einen Teil für unser Alter zur Seite legen können, locken uns die Angebote, die Riester, Rürup, Förderung, Vorsorge im Namen tragen. Wenn wir uns einmal entschieden haben, fangen wir an, monatlich, vielleicht bis zu 40 Jahre, Geld einzuzahlen… Riesige Beträge kommen dabei zusammen. Unsere und die all der anderen Sparer.
Neulich habe ich gelesen, dass die Allianz gut ein Zehntel aller weltweiten Investitionen im Markt für Agrarrohstoffe verantwortet, knapp über 6 Milliarden Euro. Ein profitabler Markt wie sie selbst schreiben, denn die Preise für Soja, Weizen und andere Grundnahrungsmittel steigen nicht nur in Entwicklungsländer durch diese Art von Spekulationen mit Lebensmitteln lukrativ an.
Es gibt viele Bereiche, in denen Lebensversicherungesellschaften unser Geld gewinnbringend anbringen. Sie sind Investoren und handeln in unserem Auftrag, auch wenn wir uns des Auftrages und dessen, was er mit sich bringt, oftmals gar nicht bewusst sind. Wir fordern ja, dass wir mehr Geld zurück auf unser Konto bekommen, als das, was wir damals, als wir noch arbeiteten, eingezahlt haben. Es sind Gewinne im Spiel, Aktionäre und die Wünsche von uns Kunden.
Die Alternativen
Dass es andere Wege gibt, das machen im Bankenbereich die GLS-Bank, die Ethikbank oder auch die Umweltbank vor, um einmal die bekanntesten Beispiele herauszugreifen. Hier muss man sich keine Gedanken machen, was das eingezahlte Geld wohl macht, bewirkt und hinterlässt, bevor es zu uns zurückkehrt. Wir vertrauen darauf, dass es sich in guten Händen befindet und erhalten glaubhafte, überprüfbare Informationen darüber, wo das Geld angelegt und investiert worden ist.
Ich möchte sie anregen, sich mit ethisch-ökologischen Altersvorsorgen und Versicherungsgesellschaften auseinander zu setzen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie die eingezahlten Gelder nach strikten Kriterien angelegt werden, dass es Regeln gibt, wo Beitragsgelder nicht hinfließen dürfen und wo sie dagegen bewusst hingelenkt wird. Welche Informationen gibt der Anbieter über die Kapitalverwendung, welche Kontrollen bestehen und wie transparent werden Informationen über die Investitionen (in unserem Namen) weitergegeben, hierüber gilt es sich im Vorfeld zu informieren.
Es lohnt sich, auch hier bewusste, kluge Entscheidungen zu treffen, wenn es um langfristigere, Geldangelegenheiten wie die Altersvorsorge, Versicherungen und Geldangelegenheiten geht. Wir schicken Milliarden auf die Reise und diese Milliarden können Gutes bewirken…
Gastbeitrag von Benjamin Urbanke – Inhaber von FIBUR
FIBUR ist ein junges Unternehmen, das von einer Vision lebt. Was jetzt Nische ist, wird morgen Selbstverständlichkeit. Gemeinsam streiten wir für eine gerechte und lebenswerte Welt, genießen den sich vollziehenden Wandel. Mitstreiter sehen wir in jedem Menschen, wir treten für universelle Werte ein. Jeder setzt sich nach seinem Vermögen ein, zu seiner Zeit. Projekte und Ideen gibt es viele. Wir wollen Katalysator sein, wollen anstoßen. Dass vieles möglich ist, zeigt mir die plötzlich (zunächst als politische Willenserklärung) vollzogene Energiewende. Das wollen wir, das wollen die Menschen. Wir stimmen dem Möglichen zu, und fühlen Freiheit, wenn wir es einfach tun. Manches braucht die Kraft einer Explosion, schleichend kommt anderes in unser Bewusstsein. Manchmal müssen einfach die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammen kommen. Wir wünschen uns Diskussionen und Bewegung, wir wünschen uns Aufbruch und Kraft.
Benjamin Urbanke ist Inhaber von FIBUR. Er hat an der Universität Duisburg-Essen Wirtschaftswissenschaften studiert und mit den Schwerpunkten Energie- und Finanzwirtschaft abgeschlossen. Seit 2007 arbeitet er im Versicherungs- und Fondsanlagenbereich. Ihn bewegen das schleppende Anlaufen der Energiewende und das verantwortungslose Verhalten vieler Großkonzerne. Nach dem Studium absolvierte er die Weiterbildung zum Fachberater für nachhaltiges Investment und gründete 2010 FIBUR. Die Freiheit und Energie, die er auf seinen langen Rennradtouren spürt, gibt er an andere weiter.
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